Bertolt Brecht

1937: Bertolt Brecht lässt Tramper stehen – und ärgert sich später

Fahrend in einem bequemen Wagen
Auf einer regnerischen Landstraße
Sahen wir einen zerlumpten Menschen bei Nachteinbruch
Der uns winkte, ihn mitzunehmen, sich tief verbeugend.
Wir hatten ein Dach und wir hatten Platz und wir fuhren vorüber
Und wir hörten mich sagen, mit einer grämlichen Stimme: nein
Wir können niemand mitnehmen.
Wir waren schon weit voraus, einen Tagesmarsch vielleicht
Als ich plötzlich erschrak über diese meine Stimme
Dies mein Verhalten und diese
Ganze Welt.

Bertolt Brecht: Werke XIV. Gedichte 4.; Berlin, Weimar: Aufbau-Verlag, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993. S. 363f.

Das Gedicht geht auf ein authentisches Ereignis zurück.

Brecht fährt 1937 mit seiner Mitarbeiterin und Geliebten Ruth Berlau durch Dänemark. Die Fahrerin will anhalten, aber Brecht sagt: „Nein, wir können niemand mitnehmen“. Die Berlau kommentiert: „Scheußlich!“ und fährt weiter.

Brecht verfasst das Gedicht als Abbitte und schickt es seiner Freundin, die moniert, dass er ihren Kommentar vergessen hat.

Danke an Inge, für diesen interessanten Beitrag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.